Methodenbogen für das Seiffert-Modell

Erstveröffentlichung: 21.08.2026

© Rainer Seiffert – Methodenbogen für das Seiffert-Modell. Vervielfältigung und kommerzielle Nutzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung. Private und nicht-kommerzielle Anwendung unter Namensnennung erwünscht.“

Methodenbogen nach dem Seiffert-Modell

Vom Problem zur überprüften Handlung

Fall / Projekt: ______________________________

Bearbeiter: _________________________________

Datum: _____________________________________

Version: ____________________________________

1. ERFAHRUNG – Was ist tatsächlich passiert?

Ausgangssituation / Beobachtung:

Was weiß ich aus eigener Erfahrung?

Was ist lediglich behauptet, vermutet oder erinnert?

Kontrollfrage

Habe ich Beobachtung und Interpretation bereits voneinander getrennt?

☐ Ja ☐ Teilweise ☐ Nein

2. FRAGE – Was will ich eigentlich herausfinden?

Kernfrage:

Welche Unterfragen ergeben sich?

    ⸻

    ⸻

    ⸻

Was wäre eine befriedigende Antwort?

Kontrollfrage

Ist meine Frage offen genug, damit die Antwort auch anders ausfallen könnte, als ich zunächst vermute?

☐ Ja ☐ Nein

Das ist wichtig, weil das Verfahren sonst bereits an dieser Stelle in Richtung Bestätigungsfehler kippen kann.

3. MULTIPERSPEKTIVISCHE ÖFFNUNG – Wer oder was könnte etwas dazu wissen?

Jetzt bewusst den eigenen Blick verlassen.

Perspektive / Quelle

Was liefert sie?

Zuverlässigkeit

Lücke / Problem

eigene Erfahrung

Betroffene

Gegenposition

Fachliteratur

historische Quellen

Daten / Statistik

Praxis / Beobachtung

weitere Quelle

Kontrollfrage

Welche relevante Perspektive fehlt möglicherweise noch?

4. KURATION – Was ist wirklich relevant?

Nicht alles, was gefunden wurde, gehört in die weitere Analyse.

Meine wichtigsten Informationen

A: ______________________________________________

B: ______________________________________________

C: ______________________________________________

D: ______________________________________________

E: ______________________________________________

Aussortieren

Welche Informationen sind:

☐ irrelevant

☐ redundant

☐ unzuverlässig

☐ unbelegt

☐ widersprüchlich

☐ noch zu prüfen

Begründung:

Quellenstatus

Für jede zentrale Aussage:

Quelle: ______________________________

Primär / sekundär: ____________________

Bestätigt durch andere Quelle? ☐ Ja ☐ Nein

Unsicherheit: _________________________

5. GEGENSÄTZE – Wo widersprechen sich die Erkenntnisse?

Hier sollte nicht zu früh harmonisiert werden.

Aussage A

Aussage B

Widerspruch?

Mögliche Erklärung

Welche scheinbar widersprüchlichen Erkenntnisse könnten gleichzeitig richtig sein?

Welche Gegensätze lassen sich nicht auflösen?

Das ist ein wichtiger Bestandteil des Verfahrens: Ein Widerspruch ist nicht unbedingt ein Fehler. Er kann ein Hinweis darauf sein, dass das bisherige Erklärungsmodell zu einfach ist.

6. RETRODUKTION – Was könnte die verschiedenen Beobachtungen erklären?

Jetzt kommt der eigentliche kreative Erkenntnisschritt.

Beobachtete Tatsachen

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    ⸻

    ⸻

    ⸻

Welche gemeinsame Ursache / Struktur könnte dahinterliegen?

Hypothese 1:

Hypothese 2:

Hypothese 3:

Welche Hypothese erklärt die meisten Beobachtungen mit den wenigsten Zusatzannahmen?

Warum?

7. Synthese – Was ist meine vorläufige Gesamterkenntnis?

Jetzt werden die zuvor getrennten Erkenntnisse miteinander verbunden.

Vorläufige Synthese

Welche Erkenntnisse fließen zusammen?

Welche bleiben ungeklärt?

Wie sicher bin ich?

0 = reine Vermutung / 10 = sehr gut belegt

Bewertung:  ___ / 10

Wichtig:

Eine Synthese ist vorläufig. Sie ist kein Wahrheitsanspruch.

Das passt sehr gut zu Seifferts ausdrücklicher Forderung, die eigene Philosophie selbst überprüfen und hinterfragen zu lassen. 

8. PRAXIS – Was folgt daraus?

Welche konkrete Handlung ergibt sich?

Wer handelt?

Bis wann?

Welche Ressourcen werden benötigt?

Was soll durch die Handlung erreicht werden?

9. HANDLUNGSSCHWELLE – Ist die Erkenntnis ausreichend belastbar?

Prüfen Sie die folgenden vier Kriterien:

☐ Die Hypothese wahrt die stoische Kontrolle (klare Trennung zwischen dem, was in meiner Macht liegt, und dem, was nicht).

☐ Sie hat die aufklärerische Prüfung bestanden (eigene Annahmen wurden hinterfragt).

☐ Sie ist ethisch ausgerichtet (stiftet voraussichtlich mehr Nutzen als Schaden).

☐ Sie ermöglicht ein konkretes, zeitlich begrenztes und korrigierbares Experiment (Reversibilität).

Ergebnis:

☐ Alle vier Kriterien erfüllt → Handlung ist gerechtfertigt

☐ Nicht alle Kriterien erfüllt → Welche Information oder Klärung fehlt noch?

Begründung der Entscheidung:

9a. INDIVIDUELLE ODER SYSTEMISCHE EBENE?

Testfrage:

Wenn ich meine persönliche Haltung und mein Verhalten optimal anpasse – bleibt das Problem für andere Menschen dennoch in ähnlicher Form bestehen?

☐ Nein → Die Handlung bleibt auf der individuellen Ebene (eigene Reaktion, direkte Kommunikation).

☐ Ja → Es liegt eine systemische Rückkopplung vor. Die Handlung zielt auf Veränderung von Rahmenbedingungen, öffentliche Dokumentation oder strukturelle Intervention.

Entscheidung und Begründung:

10. WIRKUNG – Was ist tatsächlich passiert?

Nach der Handlung:

Erwartetes Ergebnis:

Tatsächliches Ergebnis:

Abweichung:

Welche unerwarteten Folgen gab es?

11. RÜCKKOPPLUNG – Was habe ich daraus gelernt?

Jetzt beginnt eine neue Erkenntnisschleife.

Was hat sich bestätigt?

Was hat sich als falsch erwiesen?

Welche neue Information ist entstanden?

Welche Annahme muss korrigiert werden?

Welche neue Frage entsteht?

12. NEUE SCHLEIFE

Neue Erfahrung → neue Frage → neue Recherche → neue Synthese → neue Handlung

Neue Frage:

Nächster Schritt:

Datum der nächsten Überprüfung:

Die Kurzversion

Für den praktischen Alltag könnte man den gesamten Methodenbogen auf eine einzige Seite reduzieren:

1. Was ist passiert?

2. Was will ich wissen?

3. Welche Perspektiven fehlen mir?

4. Welche Informationen sind wirklich relevant?

5. Wo widersprechen sich die Erkenntnisse?

6. Was könnte diese Beobachtungen gemeinsam erklären?

7. Was ist meine vorläufige Synthese?

8. Was folgt praktisch daraus?

9. Woran werde ich erkennen, ob es funktioniert?

10. Was ist tatsächlich passiert?

11. Was muss ich korrigieren?

12. Welche neue Frage entsteht?

Damit erhält man einen geschlossenen Zyklus:

ERFAHRUNG

FRAGE

PERSPEKTIVEN

KURATION

GEGENSÄTZE

RETRODUKTION

SYNTHese

HANDLUNG

WIRKUNG

RÜCKKOPPLUNG

„© Rainer Seiffert – Methodenbogen für das Seiffert-Modell. Vervielfältigung und kommerzielle Nutzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung. Private und nicht-kommerzielle Anwendung unter Namensnennung erwünscht.“

Prioritätengenese – Entstehung meiner angewandten Philosophie – von der Praxis zur Theorie – und zurück zur Praxis: https://rainerseiffert.com/entstehung-meiner-angewandten-philosophie-von-der-praxis-zur-theorie-und-zurueck-zur-praxis/

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